• 29.09.20 | 09:25
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Rarepixels: Arbeiten, wo andere Urlaub machen

Serie: #GameStories – Folge 3

Rarepixels sind ein Indie-Studio aus Bayern, das zur Zeit aus einem eigenen Coworking-Space auf Teneriffa arbeitet.

Yuliya Oleshko und Antonio Esquer bilden das Zwei-Personen-Team, das ursprünglich aus Unterföhring in der Nähe von München kommt. In 2015 veröffentlichten die beiden ihr ersten Spiel Planes Control, drei Jahre später gefolgt von 2 Minutes in Space. Beide Spiele sind kostenlos für Android und iOS verfügbar und wurden von mehr als zwei Millionen Spielern auf der ganzen Welt heruntergeladen. 

Vom Hobbyprojekt zur Hauptberuf

Yuliya kommt ursprünglich aus der Ukraine und Antonio aus Spanien. Kennengelernt haben sich die beiden in Deutschland, wo sie über 15 Jahre lebten. Antonio ist Physiker und arbeitete lange als Developer für große Münchner Firmen. Yuliya studierte BWL mit Vertiefung Marketing und war in verschiedenen deutschen Städten tätig. Zur Spieleentwicklung sind die beiden leidenschaftlichen Gamer aber eher spontan gekommen: Beide hatten ja eigentlich feste Jobs in anderen Bereichen und arbeiteten zuerst nur in ihrer Freizeit an Games-Projekten.

Da die Resonanz der Spieler auf das erste Spiel Planes Control so positiv war, entwickeln Antonio und Yuliya als Rarepixels inzwischen ihre Games hauptberuflich: Antonio übernimmt Programmierung und Grafik, während Yuliya sich um Marktanalysen und Marketing kümmert.

Auch der Wohn- und der Arbeitsort der Rarepixels hat sich geändert. Vor zwei Jahren verliebten sich die beiden in die kanarischen Inseln. Also beschlossen sie, sich für eine Weile auf Teneriffa ganz der Gamesentwicklung zu widmen.

Neben zwei neuen Gamesprojekten arbeiten Rarepixels auf Teneriffa weiter an Updates für 2 Minutes in Space: In dem Mobile Game ist es die Aufgabe des Spielers, im Weltall so lange wie möglich zu überleben. Mit einer Raumschliffflotte macht sich der Spieler auf in die tiefen des Universums und muss sich dabei gefährlichen Asteroiden, Nebeln, Gestirnen und feindlichen Raketen stellen. Das ganze Spiel folgt dabei dem Prinzip „simple to learn, hart to master“. Es ist für Android und iOs erschienen.

Die Kanarischen Inseln – mehr als nur Tourismusziel
Etwa zehn Entwicklerstudios gibt es auf den Kanaren, hinzu kommen noch einige Hobbyisten und Interessierte.
Die Asociación de Desarrolladores de Videojuegos de Canarias – der kanarische Entwicklerverband – setzt sich für die kanarische Gamesbranche ein. Sie organisiert Gamejams, Netzwerkveranstaltungen und Workhops auf den Inseln.

Eine enge Zusammenarbeit mit den Spielern

Ihre Spieler stehen für Rarepixels im Vordergrund. Daher lehnten sie bisher auch die Anfragen von Publishern ab, um ihre Spiele unabhängig und mit ihrem ganz eigenen Stil entwickeln zu können. Das Team pflegt den aktiven Austausch mit den Spielern, zum Beispiel auf internationalen Gaming-Events und über den eigenen Discord-Server: „Der Kontakt zu den Spielern war und ist für uns viel wichtiger als alles andere. Wir engagieren uns sehr intensiv im Community Leben und arbeiten mit Youtubern und Spielern zusammen. Die Fans schätzen unsere spezielle Verbindung so sehr,“ sagt Yuliya.

Wenn Spieler konstruktive Vorschläge bringen, passen Yuliya und Anotnio ihre Spiele auch an. Außerdem reagieren sie auf die Nachfrage in bestimmten Ländern, erklärt Yuliya: „Jedesmal, wenn wir ein Download-Boom in einem bestimmten Land sehen, lokalisieren wir unsere Spiele für diesen Markt. Jetzt kommt zum Beispiel ein Update von 2 Minutes in Space für den koreanischen und den japanischen Markt.“ 

Coworking für digitale Nomaden aus aller Welt

Yuliya und Anonio entwickeln aber nicht nur Spiele: Auf Teneriffa eröffneten die beiden außerdem den Coworking-Space SPACE. Dort kommen digitalen Nomaden aus aller Welt zu Besuch, um ein paar Wochen auf der Urlaubsinsel zu arbeiten. Die Rarepixels freuen sich ganz besonders übere andere Gamesentwickler, mit denen sie sich über die Branche, über Projekte und Ideen austauschen können.

Yuliya erinnert sich ganz besonders an einen ukrainischen Entwickler, der so lange in den unterschiedlichsten Ländern gelebt und gearbeitet hat, dass er sich gar nicht mehr an seine ukrainische Adresse erinnerte. „Für mich war das so faszinierend“, begeistert sich Yuliya. „Digitale Nomaden sind ganz anders, sie kreieren eine ganz eigene Kultur und sehen die Welt auf andere Weise. Ihre Nationalität ist eigentlich ‚Digitaler Nomade‘ – das ist so bereichernd für uns.“

Die Kunden im SPACE erhalten Highspeed-Internet, ein modernes Büro mit Blick auf den Tropenpark im Zentrum von Puerto de la Cruz, verschiedene Handys fürs Testen der Spiele sowie Workshops mit Schwerpunkt auf Game Development. Darüber hinaus lieben Yuliya und Antonio es, den Coworkern die Insel ganz abseits der klassischen „Touri-Touren“ zu zeigen.

„Wenn man für ein, zwei, drei Wochen aus der Hektik des Alltags ausbricht, dann kann das enorm die Kreativität fördern. Man findet so zu neuen Ideen für Projekte sowie für die eigene Arbeits- und Lebensweise. Abwechslung ist so wichtig. Wir glauben außerdem fest daran, dass wir gemeinsam im internationalen Austausch mehr erreichen können. Aus diesem Grund laden wir alle Entwickler und Kreativen ein, bei uns auf Teneriffa zu arbeiten, Workshops zu organisieren, zusammen die Insel zu entdecken und sich inspirieren zu lassen,“ sagt Yuliya.

Wie lange die beiden dort bleiben werden, bevor es sie wieder zurück nach Bayern zieht, wissen sie noch nicht. Bis dahin stehen Antonios und Yuliyas Türen aber für gemeinsame Events und für alle „remote Workers“ offen.

Weitere Artikel aus der Reihe #GameStories:

Folge 2: Lazuli – Spielspaß mit Köpfchen
Folge 1: Game Seer – Internationale Investments aus Bayern
Folge 0: Neue Reihe: Erfolsgeschichten am Gamesstandort Bayern

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Bilder: Rarepixels, SPACE Coworking